Der berufliche Weg

Die Ausbildung
Die 4-jährige Berufslehre ist eine gute Grundlage auf die ich im späteren Berufsleben aufbauen konnte.
Die Orgelbauerlehre (1987 – 1991) begann ich als 17-jähriger bei der Firma Goll in Luzern bei Beat Grenacher und Jakob Schmidt, der mein Lehrmeister war. Ich habe eine breite, vielseitigen Ausbildung genossen, die von der Herstellung von Orgelteilen über Restaurierungen / Revisionen bis hin zur Vorintonation reichte. Jakob Schmidt hat mir seine Begeisterung für den Beruf allgemein aber auch für sensible Trakturen und durchdachte Prospektgestaltungen vermittelt.


Goll-Orgel in Gerzensee

Der Schritt ins Ausland
Wegen fast gänzlich fehlenden weiterführnden Ausbildungsmöglichkeiten, bedeutet Berufserfahrung sammeln im Orgelbau “auf Wanderschaft“ gehen.

England 1992-1993
Der Wunsch, mal etwas ganz anderes kennenzulernen brachte mich zur Überzeugung, ins Ausland gehen zu müssen. Da mir England und die englische Sprache immer schon gefallen hat, habe ich mich spontan für dieses Land entschieden, ohne zu wissen, was mich erwartet. Nach einer Erkundungsreise hatte ich das Glück, bei Martin Goetze und Dominic Gwynn in Worksop (Nottinghamshire, mitten im “Sherwood Forest“) eine Stelle zu finden. Dem Einsatz von Dominic Gwynn habe ich es zu verdanken, dass ich als Schweizer im Ausland eine ganz gewöhnliche Arbeitsbewilligung erhielt, keine einfache Sache in diesen Jahren. In diesem Kleinbetrieb mit familiärer Atmosphäre lernte ich historische Orgeln und deren Restaurierung und Rekonstruierung eingehend kennen. Dabei konnte ich erleben, wie dank minutiöser Untersuchung historischer Orgelteile in Verbindung mit dem nötigen Wissen, vergessene Instrumente zum Leben erweckt werden.
www.goetzegwynn.co.uk



Byfield-Orgel in Rotherhite (London)


in Oxford...

Frankreich 1993-1997
Der Schritt von England über den Kanal nach Frankreich ist zwar geographisch ein kleiner, kulturell oder sprachlich aber ein um so Grösserer. Auf jeden Fall hatte ich das Bedürfnis andere Kulturen, andere Orgelbau -Stile kennenzulernen. Bei Marc Garnier in Les Fins im franz. Jura (Dep. Doubs) hat es mir auf Anhieb gefallen, und der Klang der Instrumente begeisterte mich. Hier kam ich in Kontakt mit einem eigenständigen Orgelbaustil, inspiriert von historischen Instrumenten. Dabei hatte ich die Möglichkeit, die Orgelplanung mittels Computer zu lernen. Ebenso hatte ich viel mit Intonation zu tun, am Anfang einzelne Register und Truhenorgeln, gegen Ende konnte ich die Intonation ganzer Instrumente weitgehend übernehmen.
Mein Interesse an Musik, speziell alter Musik wurde schon in England geweckt und hat sich hier weiterentwickelt.
www.garnier-orgues.com



Garnier-Orgel in Rosenwiller (Elsass)


Regal - Restaurierung (Typ "Dom Bedos")

Japan 1998-1999
Zusammen mit meiner Frau Illianna, der Tochter von Marc Garnier faßte ich den Entschluß, für einige Jahre nach Japan zu ziehen. Wir nahmen uns zur Aufgabe, dort eine kleine Werkstatt aufzubauen und sich um die Pflege der Orgeln von Marc Garnier zu kümmern. Dieses Abenteuer in der fremden Welt dauerte zwei Jahre und fing an mit der Wohnungssuche in Tokyo und dem Lernen der Sprache. Es war eine besondere Erfahrung sich einmal richtig als “Fremdling“ zu fühlen, die Kultur zu entdecken oder sich daran zu stoßen. Die Diskrepanz der gestreßten Riesenstädte und der friedlichen Atmosphäre traditionellen Provinzregionen ist mir dabei in starker Erinnerung geblieben. Oder der Unterschied zwischen dem unnahbaren Nachbar, der in seiner Welt von Arbeit – Zug – Bierrausch lebt und meines Trommellehrers, der uns mit Begeisterung an der Taiko – Trommel lehrt und noch ganz mit den japanischen Traditionen verwurzelt ist.
Beruflich war ich viel unterwegs mit Sack und Pack und von Orgel zu Orgel. Besondere Beachtung erhielt wegen Ihrer Größe und Einmaligkeit die Orgel von Marc Garnier im “Tokyo Metropolitan Art Space“, ein Instrument mit 126 Register (davon 25 Zungenstimmen), das eigentlich drei Orgeln verschiedener Stile enthält. Sie ist auf drei Drehscheiben plaziert und besitzt einen klassischen sowie einen zeitgenössischen Prospekt. Neben der Orgelpflege war ich für die Montage mehrerer Instrumente verantwortlich, die Kleinste mit 3 Register, die Größte mit 76 Register. Meist gehörte auch die Intonation dieser Instrumente zumindest teilweise zu meinen Aufgaben.

Informativ-humoristisches zum Japanaufenthalt eines Orgelbauers: weiter zur Japanseite

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Tokyo Metropolitan Art Space. "Orgue à Tempérament", Instrument mit 2 Gesichter und 3 Stilrichtungen.

Zurück in der Schweiz

Felsberg 2000-2004
Die Rückkehr in die Schweiz nach achtjähriger Abwesenheit war mit einem kleineren “Kulturschock“ verbunden. Die Stelle bei Orgelbau Felsberg in Felsberg GR bei Richard Freytag erlaubte es mir wieder Fuß zu fassen, was mir im schönen Kanton Graubünden leicht gefallen ist. Die Werkstatt in Felsberg besitzt eine langjährige Erfahrung im Bau neuer Instrumente im Stile verschiedener historischer Orgelbautraditionen. Unter anderem waren während meiner Zeit grosse Projekte in Habikino (Japan) und Béthune (Frankreich) in Arbeit. Die überzeugende Intonation von Jean-Marie Tricoteaux verleiht den Instrumenten eine erfrischende Lebendigkeit.
Ich war in der Werkstatt mit allgemeinen Orgelbauerarbeiten beschäftigt, von der Herstellung bis zur Montage, aber auch mit Orgelplanung und der Projektleitung von Orgeln verschiedenster Größe.
Im Laufe der 5 Jahre war ich auch an mehreren Restaurierungen beteiligt.
Daneben entwickelte sich neben dem Orgelbau eine Beschäftigung mit zeitgenössischer Gestaltung durch den Kontakt zu Philippe Ferreux, Designer in Frankreich und durch den Besuch verschiedener Weiterbildungskurse. Es entsprach meinem Bedürfnis, die Design - Szene kennenzulernen, als Handwerker konnte ich einiges dazulernen, im Bereich der Produktegestaltung und -entwicklung, aber auch was die kommerzielle Arbeit betrifft.


Felsberg-Orgel in Bethune (Frankreich)